Aus unserem Alumni-Netzwerk: Victoria Graul und Digga Fake

17. Dezember 2021. Victoria ist Journalistin sowie Founder und Host des Podcasts „Digga Fake – Fake News & Fact-Checking“, in dem sie flott, humorvoll und kompetent über – der Name sagt es schon – Fake News, Desinformation und Medienkompetenz aufklärt. Mit ihrem Podcast, zu dem sie regelmäßig ExpertInnen einlädt, möchte Victoria dazu beitragen, in der Flut der Informationen den Überblick zu behalten und richtige von gefakten Beiträgen zu unterscheiden.

Victoria hat 2009 am M100 YEJ teilgenommen, in dem es um „Migration und die Medien“ ging. Sie hat ihr Masterstudium Europäische Integration erfolgreich an der Technischen Universität Chemnitz abgeschlossen und lebt mittlerweile in Hannover. Mehr über Victoria gibt es hier.

Jeden Monat stellen wir ein Mitglied unserer Alumni-Gruppe vor. Sie kommen aus allen Teilen Europas, sind freie Reporter, Redakteure, Start-up-Gründer, Chefredakteure, Podcaster, Wissenschaftler oder Studenten und interessieren sich für zahlreiche Themen. Ziel der Gruppe ist es, sich aktiv zu Themen wie Demokratie, Pressefreiheit und Journalismus, Klimawandel, Factchecking, Data, Ausbildung und vieles mehr auszutauschen, gemeinsam Projekte zu starten und mit weiteren Partnern Seminare und generationenübergreifende Debatten durchzuführen.

Geschichte des Euro von Annalisa Piras in der ARTE-Mediathek

15. Dezember 2021. Am 1. Januar wird der Euro 20 Jahre alt. Aus diesem Anlass erzählt die preisgekrönte italienisch-britische Filmregisseurin und Journalistin Annalisa Piras, seit Jahren engagierte Teilnehmerin und Moderatorin des M100 Sanssouci Colloquiums, die Geschichte des Euro aus der Perspektive seiner Schöpfer und analysiert dabei auch die Schwächen, Mängel, verpassten Chancen und Gefahren für die Zukunft.

Mit ihrem Film zeichnet sie „das umfassendste Bild, das jemals von etwas gemacht wurde, das nicht nur eine Währung ist, sondern ein Symbol für Einheit und Frieden für die einen und ein Fluch für die anderen.“

Die (deutsch- und französischsprachige) Dokumentation ist noch bis 16. Dezember in der ARTE Mediathek abrufbar.

Prof. h.c. Dr. Alexandra Borchardt verstärkt den M100-Beirat

1. Dezember 2021. Wir freuen uns sehr, Prof. h.c. Dr. Alexandra Borchardt im Beirat des M100 Sanssouci Colloquiums begrüßen zu dürfen!
Mit Alexandra Borchardt haben wir eine höchst profilierte Journalistin, Wissenschaftlerin und Buchautorin  gewonnen, die international an der Schnittstelle zwischen Journalismus und Wissenschaft arbeitet und forscht.

Sie arbeitet als Beraterin und Coach für die World Association of News Publishers (WAN-IFRA) in deren Table Stakes Europe Programm zur digitalen Transformation von Nachrichtenredaktionen und für die Hamburg Media School, wo sie das Journalism Innovators Program leitet. Sie ist Hauptautorin des EBU News Report 2021/22 der Europäischen Rundfunkunion „What’s Next? Public Service Journalism in the Age of Distraction, Opinion and Information Abundance” und ist als Senior Research Associate mit dem Reuters Institute for the Study of Journalism an der University of Oxford verbunden, nachdem sie bis 2019 als Director of Leadership Programmes tätig war. Zuvor war sie geschäftsführende Redakteurin der Süddeutschen Zeitung (SZ), Deutschlands führender Qualitätstageszeitung.

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Andrej Dynko: Tagebuch aus einem Minsker Gefängnis

28. November 2021. 13 Tage war Andrej Dynko, von 2000 bis 2020 Chefredakteur der belarussischen Zeitung Nasha Niwa, im Juli in Haft. Mehr als 36.000 Menschen wurden im vergangenen Jahr in Belarus aus politischen Gründen verhaftet. Kurz nach seiner Freilassung hat der 47-Jährige, der 2017 Teilnehmer des M100 Sanssouci Colloquiums war, einen erschütternden Text über seine Tage in einem Minsker Gefängnis niedergeschrieben. Gegen Dynko wird weiter strafrechtlich ermittelt und er darf das Land nicht verlassen, „aber ich bin froh, dass ich wenigstens mit meinen Kindern zusammen bin“, hat er uns in einer Email geschrieben. Und er bittet uns: „Sprechen Sie über Belarus, bringen Sie das Thema Belarus zur Sprache, wann immer es sinnvoll ist, und lassen Sie uns hoffen, dass ein starkes, geeintes Europa mit Rechtsstaatlichkeit der Pol sein wird, der schließlich auch mein Land verändern wird.“
Andrejs Kollegen, die Nascha-Niwa-Redakteure Jegor Martinowitsch und Andrej Skurko, sitzen weiter im Minsker Wolodarka-Gefängnis.

Andrejs aufrüttelnden Bericht lesen Sie hier:

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Memoiren von Hella Pick: „Invisible Walls“

19. November 2021. Hella Pick, legendäre Journalistin und Mentorin, die Doyenne von M100, jahrzehntelang die rechte und linke Hand von Lord Weidenfeld und immer noch aktiv und in der Welt unterwegs, hat ihre Memoiren geschrieben: „Invisible Walls. A Journalist in Search of her Life“ lautet der Titel ihrer beeindruckenden und lesenswerten Memoiren, die im Herbst 2022 auf Deutsch im Czernin Verlag erscheinen werden. Die englische Originalausgabe ist im vergangenen Frühjahr bei Weidenfeld & Nicholson erschienen.

„Hella Pick hat viele der erdbebenreichsten Momente der letzten rund vierzig Jahre miterlebt und darüber berichtet. Jetzt wendet sie ihre außergewöhnlichen Berichterstattungsfähigkeiten auf sich selbst an – und das Ergebnis ist faszinierend, bewegend und wirklich inspirierend“, schreibt Alan Rusbridger, ehemaliger Chefredakteur des Guardian.

Anne McElvoy, Leiterin von Economist Radio, Großbritannien, schreibt: „Ein außergewöhnliches Leben, erzählt von einem Veteranen unter den Auslandskorrespondenten, der ausführlich über die Kräfte berichtet hat, die den Kalten Krieg geprägt haben – und seine unruhigen Nachwirkungen. Vom Bau der Berliner Mauer bis zu ihrem Fall, dem Kampf um Afrika, dem Machtspiel zwischen Washington und New York und dem Aufstieg Chinas war Hella Pick mit ihrem Notizbuch und ihrem scharfen Auge dabei. Ihre Odyssee vom Kind, das mit dem ‚Kindertransport‘ nach Großbritannien geschickt wurde, bis zur Doyenne des Auslandskorps ist eine reiche Entdeckungsreise – beruflich und persönlich.“

Die Highlights des M100 Sanssouci Colloquiums 2021

12. November 2021. Mit der Entscheidung, demokratische Resilienz in den Mittelpunkt der diesjährigen Konferenz zu stellen, hat das M100 Sanssouci Colloquium einen Nerv getroffen. Resilienz, wie sie zu erreichen ist und welche Rolle Medien dabei spielen, ist das Thema unserer Zeit. Dazu gab es intensive Debatten, erkenntnisreiche Reden und spannende Diskussionen.

Sehen Sie noch einmal die Highlights der Konferenz mit Insights von TeilnehmerInnen, kurzen Zusammenfassungen der Strategic Roundtable und der Rede von Benjamin H. Bratton, der Rede von Prof. Dr. Andreas Reckwitz, dem Special Talk über „Die totalitäre Versuchung“ mit Can Dündar, Dr. Claudia Major und Saad Mohseni und der Verleihungd es M100 Media Award an Alexei Nawalny, mit der Laudatio von FDP-Chef Christian Lindner und der Dankesrede von Leonid Volkov.

Baroness Kennedy rettet über 100 afghanische Richterinnen

11. November 2021. Helena Kennedy, Baroness of the Shaws, von Beginn an M100-Beiratsmitglied, hat über 100 afghanische Richterinnen und ihre Familien gerettet. Gemeinsam mit einem Team von Anwälten hat sie mehr als 1 Million Britische Pfund aufgebracht, Flugzeuge gechartert und den Transport von Kabul nach Athen organisiert, wo die Menschen nun in Hotels untergebracht sind.

Baroness Kennedy überredete den griechischen Präsidenten, die Frauen und ihre Familien aufzunehmen und kaufte ein halbes Schaf für die Hochzeit der Tochter eines Taliban-Befehlshabers, um die Menschen ohne Pässe durch einen Kontrollpunkt zu bringen.

„Das ist die Zeit von Schindlers Liste“, so Baroness Kennedy. „Diese Frauen waren in tödlicher Gefahr. Sie leiteten Gerichte zu Themen wie häusliche Gewalt und Kinderheirat und viele von ihnen sperrten Taliban ein. Sobald die Taliban zurückkamen, mussten sie fliehen.“

Baroness Kennedy ist Leiterin der Menschenrechtsabteilung der International Bar Association, die bei der Ausbildung von Anwältinnen und Richterinnen in Afghanistan geholfen hatte.

Agron Bajrami: Unser Colloquium

9. November 2021. Zehn Jahre lang war Agron Bajrami, Chefredakteur von Koha Ditore, regelmäßiger Gast des M100 Sanssouci Colloquiums. Nach 27 Jahren an der Spitze der größten Tageszeitung des Kosovo wurde er nun für den Posten des Botschafters des Kosovo im Königreich Belgien nominiert. Dazu gratulieren wir ihm herzlich und wünschen ihm in seiner neuen Position viel Erfolg und alles Gute. Wie er das M100 Sanssouci Colloquium erlebt und was es ihm bedeutet hat, hat er hier für uns aufgeschrieben:

„Im Laufe der Jahre – seit 2010 – hatte ich das große Vergnügen und den Vorzug, am M100 Sanssouci Colloquium teilzunehmen. Ich habe an vielen Diskussionen teilgenommen, die zumeist im Orangerieschloss stattfanden und den perfekten Rahmen für Gespräche über die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft boten, wobei europäische Fragen, globale Themen und demokratische Grundsätze im Mittelpunkt jedes Gesprächs standen.

Und jedes Mal, wenn ich Potsdam verließ, kehrte ich erleuchtet nach Hause zurück, mit einem tieferen Verständnis für die Probleme, mit denen wir konfrontiert sind, sowohl als Medien als auch als Gesellschaften, hier am Rande Europas und des Westens – wo der Balkan liegt, nicht nur geografisch gesehen.

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Das war das M100 Sanssouci Colloquium 2021

Potsdam, 16. Oktober 2021. Mit interessanten Reden von Benjamin H. Bratton und Andreas Reckwitz, lebhaften Diskussionen mit vielfältigen Ansichten und Perspektiven innerhalb der digitalen Strategic Roundtable Discussions und einem spannenden Special Talk mit Can Dündar, Claudia Major und Saad Mohseni über die totalitäre Versuchung haben wir beim M100 Sanssouci Colloquium am 6. Oktober einen großen Diskursbogen geschlagen und verschiedene Aspekte und Lösungsansätze des Themas beleuchtet. Mit der Verleihung des M100 Media Awards an Alexei Nawalny, entgegengenommen von seinem engen Vertrauten Leonid Volkov und laudatiert von Christian Lindner, ging der Tag politisch aktuell und emotional zu Ende.

Folgend finden Sie eine Übersicht über die einzelnen Teile des Colloquiums, inklusive des M100 Young European Journalists Workshop, mit Links zu den ausführlichen Zusammenfassungen und kompletten Reden.
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„Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit, wir müssen für sie kämpfen“

Zusammenfassung des Special Talk „The Totalitarian Temptation“

14. Oktober 2021. Am 6. Oktober 2021 diskutierten Saad Mohseni (afghanisch-australischer Medienunternehmer und Mitbegründer und Vorsitzender der MOBY Group), Dr. Claudia Major (Leiterin der Abteilung Internationale Sicherheit bei der Stiftung Wissenschaft und Politik SWP), und Dr. Can Dündar (türkischer Top-Journalist und Chefredakteur von Özgurüz) im Rahmen des M100 Sanssouci Colloquiums über Zustand und Zukunft der Demokratie. Moderiert von dem internationalen TV-Moderator Ali Aslan, analysierte das Panel insbesondere den Aufstieg totalitärer Regime und die Fehler, die westliche Regierungen im Umgang mit Afghanistan, der Türkei, dem Nahen Osten und auch Afrika und China in ihren Versuchen des Demokratie-Exports gemacht haben.

Saad Mohseni hat 2002 mit der Moby Group das erste private, unabhängige Medienunternehmen im Post-Taliban-Afghanistan aufgebaut, in dem auch Frauen als Journalistinnen und Moderatorinnen arbeiten. Damit hat er fast 20 Jahre lang die Entwicklung des Landes zu einer Demokratie mitgestaltet und nun die Erosion des Fortschritts durch die Taliban aus nächster Nähe erlebt. Ende Juli war er das letzte Mal in Afghanistan.

Mohseni, dessen Sender mit seinen 400 MitarbeiterInnen noch immer in Afghanistan aktiv ist, betonte, dass die letzten Jahre angesichts der jetzigen Situation nicht umsonst gewesen seien. Im Unterschied zu Mitte der 1990er Jahre, als die Taliban schon einmal Afghanistan regierten, würden jetzt Frauen auf den Straßen für ihre Rechte demonstrieren, zivilgesellschaftliche Akteure würden Kampagnen für die Bildung von Mädchen anstoßen und die Taliban müssten im Fernsehen mit Frauen und der Zivilgesellschaft diskutieren. Das sei vor 20, 30 Jahren undenkbar gewesen und habe natürlich etwas mit dem Bildungssystem zu tun, das auch Mädchen Zugang zu Schulen und Universitäten ermöglicht hat.
Doch eine Erosion der Demokratie sieht man nicht nur in Afghanistan, sondern auch in gebildeten westlichen Gesellschaften weltweit, und auch in Europa, wo sich nicht zuletzt in Polen und Ungarn illiberale Demokratien durchgesetzt haben.

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