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Wladimir Klitschko fordert Taten von Bundeskanzler Scholz

Auszug aus der Dankesrede von Wladimir Klitschko, der am 15. September anlässlich der Verleihung des M100 Media Award an das ukrainische Volk den Preis stellvertretend entgegengenommen hat. Nach der Begrüßungsrede von Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert, hielt Bundeskanzler Olaf Scholz die Hauptrede. Die Laudationes hielten Donald Tusk, Vorsitzender der Bürgerplatform (Civic Platform), ehem. Präsident des Europäischen Rates, und Dr. Amy Gutmann, Botschafterin der Vereinigten Staaten in Deutschland.

„Ich bin aber hier mit einer ganz klaren Mission: Nicht nur eine Dankesrede halten, aber euch auch aufmerksam zu machen, dass dieser Krieg immer noch herrscht, ein halbes Jahr in der Ukraine herrscht. Und man versteht, dass man wahrscheinlich müde ist, von diesem Krieg das zu hören, wie viel Leid wir haben und was wir alles brauchen und dass wir immer wieder fragen: Bitte unterstützen, bitte helfen. Wir fragen das, weil es bei uns um Leben und Tod geht. Es geht um die Existenz. Wenn du ein Volk auslöschen willst – und genau das will Putins Russland, ein Volk auslöschen –, musst du die Geschichte auslöschen. Das kennen wir schon aus der Geschichte.
Genau das macht Russland: Zerstört die Schulen, Universitäten, Museen. Die Sprache wird vernichtet. Ich bin für russischsprachige Ukrainer. Wir sollen aber kein Ukrainisch mehr verwenden und kein Ukrainisch mehr sprechen, denn das ist die Identität unserer Kultur.
Seit 2014 leidet die Ukraine an diesem Krieg, und genau hier stand vor acht Jahren mein Bruder Vitali, der für diesen Freiheitskampf ausgezeichnet wurde, und schon damals hat er und viele andere die freie Welt gewarnt: Russland hat nicht nur die Annexion der Krim gemacht und diesen Krieg angezündet im Osten der Ukraine, Russland wird weitergehen, wenn es keine Konsequenzen gibt, harte Konsequenzen, sehr harte Konsequenzen!“

Die gesamte Rede von Wladimir Klitschko sowie die Aufzeichnung seiner Rede finden Sie hier.

Studie „High Expectations, low Trust“

18 September 2022. High Expectations, low Trust. European public opinion in crisis-ridden times“ heißt eine aktuelle Studie, die Hardy Schilgen vom Think Tank eupinions beim M100 Sanssouci Colloquium am vergangenen Donnerstag (15.9.) vorgestellt hat. Die Studie (Autoren: Isabell Hoffmann und Hardy Schilgen) wurde exklusiv für das M100 Sanssouci Colloquium durchgeführt und dort vorgestellt. Die Daten wurden im Juni 2022 erhoben, wobei knapp 12.000 Online-Interviews durchgeführt wurden. Sie sind repräsentativ für die EU27 als Ganzes und für die einzelnen Mitgliedstaaten Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Polen, Belgien und die Niederlande.

Zusammenfassend lässt sich Folgendes feststellen: Die EU-Bürger wünschen sich eine aktivere Europäische Union auf der globalen Bühne und sind im Allgemeinen mit dem politischen System der EU zufrieden. Gleichzeitig sind ihre kurzfristigen Erwartungen an die EU, ihr diesbezügliches Potenzial zu erfüllen, eher begrenzt und das Vertrauen in die „Akteure“ der Politik bleibt gering.
Die gesamte Studie finden Sie hier.

Eröffnungsrede von Olga Rudenko, Chefredakteurin The Kyiv Independent

Potsdam, 15. September 2022

„Liebe Journalisten, Redakteure und Gäste der Konferenz,

es ist mir eine Ehre, zu Ihnen sprechen zu dürfen. Ich bin hier als Journalistin, als Redakteurin einer unabhängigen Nachrichtenseite, des Kyiv Independent, und als Ukrainerin.

Wenn diese Veranstaltung vor sieben Monaten stattgefunden hätte, wäre die Reise hierher einfach und angenehm gewesen. Ich wäre zum Flughafen in Kyiv gekommen, hätte eingecheckt, eine Tasse überteuerten Kaffee getrunken und meinen Flug nach Berlin angetreten. Zwei Stunden später würde ich ankommen. Das wäre normal und sicher gewesen. Um jetzt hierher zu kommen, muss ich fast 20 Stunden im Zug verbringen und dann einen Flug aus einem anderen Land nehmen. Die Reise dauert mindestens einen ganzen Tag. Die meiste Zeit fühle ich mich nicht sicher, weil Russland in der Vergangenheit Züge angegriffen hat. Es gibt keine Flüge mehr aus der Ukraine. Wir wissen nicht, ob einer unserer Flughäfen überlebt hat, denn Russland hat sie in den ersten Tagen der Invasion mit Raketen beschossen.
Vor sieben Monaten hat sich mein Leben für immer verändert.“
Lesen Sie die ganze Rede hier.