Eröffnungsrede von Olga Rudenko, Chefredakteurin The Kyiv Independent

Potsdam, 15. September 2022

„Liebe Journalisten, Redakteure und Gäste der Konferenz,

es ist mir eine Ehre, zu Ihnen sprechen zu dürfen. Ich bin hier als Journalistin, als Redakteurin einer unabhängigen Nachrichtenseite, des Kyiv Independent, und als Ukrainerin.

Wenn diese Veranstaltung vor sieben Monaten stattgefunden hätte, wäre die Reise hierher einfach und angenehm gewesen. Ich wäre zum Flughafen in Kyiv gekommen, hätte eingecheckt, eine Tasse überteuerten Kaffee getrunken und meinen Flug nach Berlin angetreten. Zwei Stunden später würde ich ankommen. Das wäre normal und sicher gewesen. Um jetzt hierher zu kommen, muss ich fast 20 Stunden im Zug verbringen und dann einen Flug aus einem anderen Land nehmen. Die Reise dauert mindestens einen ganzen Tag. Die meiste Zeit fühle ich mich nicht sicher, weil Russland in der Vergangenheit Züge angegriffen hat. Es gibt keine Flüge mehr aus der Ukraine. Wir wissen nicht, ob einer unserer Flughäfen überlebt hat, denn Russland hat sie in den ersten Tagen der Invasion mit Raketen beschossen.
Vor sieben Monaten hat sich mein Leben für immer verändert.“
Lesen Sie die ganze Rede hier.

„Ich habe mehr Schrecken gesehen, als ich mir vorstellen konnte“

21 Nachwuchsjournalisten aus 17 europäischen Ländern beim M100YEJ über Fake News und Desinformation

Potsdam, 29. August 2022. „Seit dem Beginn der russischen Invasion in der Ukraine habe ich in Telegram-Chats mehr Schrecken gesehen, als ich mir je hätte vorstellen können“, schreibt die lettische Journalistin Paula Anna Koškina in ihrem Bewerbungsessay. Sie gibt darin Einblicke in ihren Arbeitsalltag bei der Auslandsredaktion des öffentlichen Rundfunksenders Latvian Televison: „Die Pflicht, über die Geschehnisse dort zu berichten, hat sich auch auf mich ausgewirkt. Am Anfang hatte ich nicht viel Zeit, um die hereinkommenden Informationen zu verarbeiten, die Arbeit ging vor. Erst als ich nach Hause ging, konnte ich die Emotionen der täglichen Ereignisse an mich heranlassen. Nachts bin ich ungefähr jede Stunde aufgewacht und habe geschaut, ob der ukrainische Präsident noch lebt.“
Paula Anna ist eine von 21 Nachwuchsjournalistinnen und -journalisten aus 17 europäischen Ländern, die für den diesjährigen M100 Young European Journalists Workshop (M100YEJ) aus über 70 Bewerbern ausgewählt wurden. Er findet vom 10. bis 15. September 2022 in den Räumen der Friedrich Naumann Stiftung in Berlin sowie in Potsdam-Sanssouci statt.
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Bundeskanzler Olaf Scholz hält Hauptrede des M100 Sanssouci Colloquiums

18. August 2022. Beim diesjährigen M100 Sanssouci Colloquium spricht Bundeskanzler Olaf Scholz anlässlich der Verleihung des M100 MEDIA AWARD die politische Hauptrede. Die internationale Medienkonferenz findet am 15. September in der Orangerie Sanssouci in Potsdam statt.
In diesem Jahr stehen der militärische Angriff Russlands auf die Ukraine, die daraus folgenden Konsequenzen für Europa und die Rolle der Medien im Mittelpunkt des diesjährigen M100 Sanssouci Colloquiums.
Die Invasion Russlands in den unabhängigen Nachbarstaat ist der größte kriegerische Konflikt auf dem europäischen Kontinent seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs mit enormen Folgen für Geopolitik, Wirtschaft, Demokratie, Gesellschaft und Umwelt. Wie will Europa, wie will die westliche Welt Demokratie, Freiheit sowie Presse- und Meinungsfreiheit verteidigen und stärken?

Bundeskanzler Olaf Scholz: „Für eine funktionierende Demokratie ist sie im Grunde konstitutiv: die freie und unabhängige Presse. Gerade in Zeiten von Desinformation, wie wir sie erleben, ist sie unverzichtbar. Denn die bittere Wahrheit ist: Desinformation wirkt. Und wo die Desinformation total ist, wo keine abweichende Information mehr wahrgenommen werden kann, da wird Unerhörtes sagbar und entsetzliche Verbrechen möglich. Das beweist Russlands grausamer Angriffs- und Vernichtungskrieg gegen die Ukraine. Umso wichtiger, dass wir im Rahmen des M100 Media Award in Potsdam zusammenkommen, um die zu ehren, die mit ihrer Arbeit oft auch ihr Leben für die Stärkung der Meinungs- und Pressefreiheit und damit immer auch für die Demokratie einsetzen.“

Mike Schubert, Oberbürgermeister von Potsdam und Vorsitzender des M100-Beirats:
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Olga Rudenko eröffnet M100 Sanssouci Colloquium

12. August 2022. Olga Rudenko, Chefredakteurin von The Kyiv Independent, hält die Eröffnungsrede des diesjährigen M100 Sanssouci Colloquiums am 15. September.

Olga war zuvor stellvertretende Chefredakteurin der Kyiv Post. Sie hat für internationale Publikationen geschrieben und war 2021 Stipendiatin an der Chicago Booth School of Business. Im Mai 2022 war Olga auf dem Titelbild der Doppelausgabe des Time Magazine.

The Kyiv Independent ist eine ukrainische, englischsprachige und mehrfach preisgekrönte Nachrichtenplatform, die im November 2021 von der ehemaligen Redaktion der Kyiv Post gegründet wurde. Sie wurden zuvor von der Kyiv Post entlassen, weil sie ihre redaktionelle Unabhängigkeit verteidigen wollten.
Die Kyiv Post, die bis dahin die weltweite Stimme der Ukraine war, wurde am 8. November 2021 eingestellt, wenige Tage nachdem sie ihr 26-jähriges Bestehen gefeiert hatte.

Noch 5 Wochen bis zum M100 Sanssouci Colloquium!

11. August 2022. Heute in 5 Wochen beginnt das M100 Sanssouci Colloquium! Was die Konferenz so besonders, so einzigartig macht, erfahren Sie im Video.

Die 18. Ausgabe der internationalen Medienkonferenz findet am Donnerstag, dem 15. September 2022 ab 9.30 Uhr in der Orangerie von Sanssouci in Potsdam statt. Unter dem Titel „Krieg und Frieden. Eine neue Weltordnung stehen der militärische Angriff Russlands auf die Ukraine, die daraus folgenden Konsequenzen für die europäische Innen- und Außenpolitik sowie die Rolle der Medien im Mittelpunkt der Diskussionen.

Mehr als 60 internationale Chefredakteure, Historiker, Wissenschaftler und Vertreter von unabhängigen Organisationen sowie 21 junge Journalistinnen und Journalisten aus 17 europäischen Ländern, die zuvor am M100 Young European Journalists Workshop teilgenommen haben, diskutieren zu den Themen „Europäische digitale strategische Autonomie“, „Die Rolle Europas in einer neuen Weltordnung“ und „Information als Waffe“ (9.30 – 16.30 Uhr). Die Agenda finden Sie hier.

In dem Special Talk “Left Alone?” (17.00 Uhr) spricht Wolfgang Ischinger, ehemaliger Vorsitzender der Münchner Sicherheitskonferenz, mit Vjosa Osmani-Sadriu, seit April 2021 Präsidentin der Republik Kosovo, über die angespannte politische Situation auf dem Balkan, was das für die EU und die Ukraine bedeutet, welchen Beitrag der Westbalkan angesichts einer neuen Weltordnung zu einer stabilen Europäischen Gemeinschaft leisten kann und wie Europa sein Verhältnis zu Russland in Zukunft gestalten sollte.

Ab 19.00 Uhr findet die Verleihung des M100 Media Awards statt. Seit 2005 wird der undotierte Preis im Rahmen der Konferenz an Persönlichkeiten vergeben, die sich für Demokratie, Meinungs- und Pressefreiheit einsetzen. Bisher ausgezeichnet wurden u.a. Bob Geldof, Ingrid Betancourt, Hans-Dietrich Genscher, Kurt Westergaard, Vitali Klitschko, Charlie Hebdo, Roberto Saviano, Natalia Sindeeva, Nicola Sturgeon und Alexei Nawalny.

Die diesjährige Entscheidung wird zeitnah bekannt gegeben.

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Bewerbungsaufruf: M100 Young European Journalists Workshop 2022

Journalistische Unparteilichkeit in Zeiten des Krieges – Der Umgang mit Fake News und Desinformation

10. bis 15. September 2022, Berlin & Potsdam
(Anreise 9. September, Abreise 16. September)

Fake News und Desinformation haben Auswirkungen auf unsere Gesellschaft, unsere Politik, unsere Wirtschaft, auf Demokratie, Meinungs- und Pressefreiheit und auf unsere Sicherheit.

Der Angriff Russlands auf die Ukraine, der von russischer Seite lange im Voraus durch gezielte Falschinformationen vorbereitet wurde, die auch im Krieg eine große Rolle spielen, zeigt das auf besonders drastische Weise. Hier wird parallel zum militärischen Krieg mit all seinem Leid und Schrecken auch ein erbitterter Informationskrieg geführt, ein Krieg um Bilder, Emotionen, Deutungshoheit und Wahrheit.

Er macht deutlich, wie wichtig es ist, Fake News zu erkennen, zu identifizieren und zu bekämpfen. Wie wichtig und schwierig eine gründliche Recherche für Journalisten und Medien ist, um in der endlosen Informationsflut des digitalen Zeitalters Fakten von Fälschungen unterscheiden zu können.

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„Wir brauchen Sichtbarkeit auf internationaler Ebene“

15. Juni 2022. Olesia Tytarenko, stellvertretende Chefredakteurin des Nationalen öffentlichen Rundfunkgesellschaft der Ukraine (Suspilne), unterstreicht die Aussage ihrer Kollegin Olga Konsevych:

„Wir als öffentlich-rechtlicher Sender hatten es etwas leichter als die privaten Medien. Aber auch wir brauchen Sichtbarkeit auf internationaler Ebene, denn wie man sehen kann, nimmt die Aufmerksamkeit und auch die Unterstützung ab. Und vielleicht kann eine engere internationale Zusammenarbeit zwischen Journalisten, Redaktionen und Vertretern der Zivilgesellschaft eine positive Wirkung erzielen.

Was uns ebenfalls Sorgen bereitet, sind die Narrative, die in letzter Zeit in westlichen Medien erschienen sind. Einige Journalisten und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens haben versucht, die Idee zu vermitteln, dass die Ukraine ihr Territorium abtreten muss, um den Krieg zu beenden. Unser Ziel als Journalisten ist es, ihnen das Gegenteil zu beweisen. Und dabei brauchen wir auch die Hilfe der westlichen Gesellschaft.“
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„Es fehlt die internationale Zusammenarbeit“

13. Juni 2022. Olga Konsevych, Chefredakteurin der ukrainischen Nachrichtenplattform 24tv.ua, bedauert die fehlende Zusammenarbeit großer westlicher Verlage mit ukrainischen Medien:

“Wir haben englischsprachigen Content, Fotos, Videos und viele spezielle Projekte über den Krieg, und ich glaube, es ist sehr wichtig, ihn mit anderen Medien zu teilen. Aber es fehlen die Kontakte, und ich sehe M100 als Brücke, die uns helfen kann, diese Menschen zu erreichen. Wir müssen laut sein, was die Ukraine betrifft. Der Krieg verschwindet von den Titelseiten der internationalen Medien. Unser Ziel als Journalistengemeinschaft ist es, der aktuellen Situation eine Stimme zu geben und das Thema Ukraine sichtbar zu machen, auch wenn sich Europa daran gewöhnt hat.“

Wir unterstützen diesen wichtigen Aufruf an alle westlichen Verlage und Medienhäuser! Wenn Sie den Kontakt zu unabhängigen ukrainischen Journalisten und Redaktionen suchen, kontaktieren Sie uns bitte.

„Sie setzen ihr Leben aufs Spiel“

11. Juni 2022. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ berichtet über unseren Online-Talk mit Zakhar Protsiuk, Co-Gründer und Managing Editor von The Fix Media, Ukraine, am vergangenen Mittwoch.

„Zakhar Protsiuk war Journalist. In Kiew managt er das von ihm mitgegründete Portal „The Fix“. Zurzeit sammelt er Spenden für Medienschaffende, die über den Krieg berichten. Was in der Ukraine geschieht, dürfe man nicht aus den Augen verlieren, sagt er.“

Den gesamten Bericht lesen Sie hier.

Talk mit Zakhar Protsiuk, The Fix Media, Ukraine

9. Juni 2022. Kernsätze aus dem Gespräch mit Zakhar Protsiuk, Co-Founder und geschäftsführender Redakteur von The Fix Media, Ukraine, das wir am 8. Juni auf Zoom geführt haben. Moderiert wurde die Diskussion von M100-Beirat Christoph Lanz, Head of Board Thomson Media Deutschland sowie Trustee der Thomson Foundation und ehemaliger Programmdirektor von DW TV. Die Aufzeichnung des einstündigen Gesprächs können Sie hier anschauen.

• Vor dem Krieg in der Ukraine war The Fix Media Media ein Markt und eine Wissens-Hub für Medienmanager. Es begann als ein Projekt innerhalb einer Beratungsfirma namens Jnomics. The Fix ist eine relativ junge Organisation, die vor weniger als drei Jahren gegründet wurde.

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