Memoiren von Hella Pick: „Invisible Walls“

Hella Pick, legendäre Journalistin und Mentorin, die Doyenne von M100, jahrzehntelang die rechte und linke Hand von Lord Weidenfeld und immer noch aktiv und in der Welt unterwegs, hat ihre Memoiren geschrieben: „Invisible Walls. A Journalist in Search of her Life“ lautet der Titel ihrer beeindruckenden und lesenswerten Memoiren, die im Herbst 2022 auf Deutsch im Czernin Verlag erscheinen werden. Die englische Originalausgabe ist im vergangenen Frühjahr bei Weidenfeld & Nicholson erschienen.

„Hella Pick hat viele der erdbebenreichsten Momente der letzten rund vierzig Jahre miterlebt und darüber berichtet. Jetzt wendet sie ihre außergewöhnlichen Berichterstattungsfähigkeiten auf sich selbst an – und das Ergebnis ist faszinierend, bewegend und wirklich inspirierend“, schreibt Alan Rusbridger, ehemaliger Chefredakteur des Guardian.

Anne McElvoy, Leiterin von Economist Radio, Großbritannien, schreibt: „Ein außergewöhnliches Leben, erzählt von einem Veteranen unter den Auslandskorrespondenten, der ausführlich über die Kräfte berichtet hat, die den Kalten Krieg geprägt haben – und seine unruhigen Nachwirkungen. Vom Bau der Berliner Mauer bis zu ihrem Fall, dem Kampf um Afrika, dem Machtspiel zwischen Washington und New York und dem Aufstieg Chinas war Hella Pick mit ihrem Notizbuch und ihrem scharfen Auge dabei. Ihre Odyssee vom Kind, das mit dem ‚Kindertransport‘ nach Großbritannien geschickt wurde, bis zur Doyenne des Auslandskorps ist eine reiche Entdeckungsreise – beruflich und persönlich.“

Die Highlights des M100 Sanssouci Colloquiums 2021

Mit der Entscheidung, demokratische Resilienz in den Mittelpunkt der diesjährigen Konferenz zu stellen, hat das M100 Sanssouci Colloquium einen Nerv getroffen. Resilienz, wie sie zu erreichen ist und welche Rolle Medien dabei spielen, ist das Thema unserer Zeit. Dazu gab es intensive Debatten, erkenntnisreiche Reden und spannende Diskussionen.

Sehen Sie noch einmal die Highlights der Konferenz mit Insights von TeilnehmerInnen, kurzen Zusammenfassungen der Strategic Roundtable und der Rede von Benjamin H. Bratton, der Rede von Prof. Dr. Andreas Reckwitz, dem Special Talk über „Die totalitäre Versuchung“ mit Can Dündar, Dr. Claudia Major und Saad Mohseni und der Verleihungd es M100 Media Award an Alexei Nawalny, mit der Laudatio von FDP-Chef Christian Lindner und der Dankesrede von Leonid Volkov.

Baroness Kennedy rettet über 100 afghanische Richterinnen

Helena Kennedy, Baroness of the Shaws, von Beginn an M100-Beiratsmitglied, hat über 100 afghanische Richterinnen und ihre Familien gerettet. Gemeinsam mit einem Team von Anwälten hat sie mehr als 1 Million Britische Pfund aufgebracht, Flugzeuge gechartert und den Transport von Kabul nach Athen organisiert, wo die Menschen nun in Hotels untergebracht sind.

Baroness Kennedy überredete den griechischen Präsidenten, die Frauen und ihre Familien aufzunehmen und kaufte ein halbes Schaf für die Hochzeit der Tochter eines Taliban-Befehlshabers, um die Menschen ohne Pässe durch einen Kontrollpunkt zu bringen.

„Das ist die Zeit von Schindlers Liste“, so Baroness Kennedy. „Diese Frauen waren in tödlicher Gefahr. Sie leiteten Gerichte zu Themen wie häusliche Gewalt und Kinderheirat und viele von ihnen sperrten Taliban ein. Sobald die Taliban zurückkamen, mussten sie fliehen.“

Baroness Kennedy ist Leiterin der Menschenrechtsabteilung der International Bar Association, die bei der Ausbildung von Anwältinnen und Richterinnen in Afghanistan geholfen hatte.

Agron Bajrami: Unser Colloquium

Zehn Jahre lang war Agron Bajrami, Chefredakteur von Koha Ditore, regelmäßiger Gast des M100 Sanssouci Colloquiums. Nach 27 Jahren an der Spitze der größten Tageszeitung des Kosovo wurde er nun für den Posten des Botschafters des Kosovo im Königreich Belgien nominiert. Dazu gratulieren wir ihm herzlich und wünschen ihm in seiner neuen Position viel Erfolg und alles Gute. Wie er das M100 Sanssouci Colloquium erlebt und was es ihm bedeutet hat, hat er hier für uns aufgeschrieben:

„Im Laufe der Jahre – seit 2010 – hatte ich das große Vergnügen und den Vorzug, am M100 Sanssouci Colloquium teilzunehmen. Ich habe an vielen Diskussionen teilgenommen, die zumeist im Orangerieschloss stattfanden und den perfekten Rahmen für Gespräche über die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft boten, wobei europäische Fragen, globale Themen und demokratische Grundsätze im Mittelpunkt jedes Gesprächs standen.

Und jedes Mal, wenn ich Potsdam verließ, kehrte ich erleuchtet nach Hause zurück, mit einem tieferen Verständnis für die Probleme, mit denen wir konfrontiert sind, sowohl als Medien als auch als Gesellschaften, hier am Rande Europas und des Westens – wo der Balkan liegt, nicht nur geografisch gesehen.

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Bewerbungsaufruf: Wie können Medien zur europäischen Demokratie beitragen?

Online-Seminar im Rahmen der Konferenz zur Zukunft Europas

3. und 4. Dezember 2021, Zoom

Referenten:
Prof. Dr. Ulrike Guérot, Professorin für Europapolitik, Universität Bonn
Prof. Alberto Alemanno, Jean-Monnet-Professor für EU-Recht, HEC Paris, Gründer „The Good Lobby“
Moderation: Sabine Sasse, Head of Programme, M100 Sanssouci Colloquium, Potsdam

Die Konferenz zur Zukunft Europas, die ursprünglich vom französischen Präsidenten Emmanuel Macron und der liberalen europäischen Partei ALDE angeregt und am 9. Mai 2021 eröffnet wurde, ist der erste Versuch einer institutionellen Reform seit 2007. Ziel ist es, Vorschläge und Ideen für die Zukunft der Europäischen Union bis 2022 zu diskutieren, wobei nicht nur alle EU-Institutionen und Mitgliedsstaaten, sondern auch und vor allem die EU-Bürger einbezogen werden sollen. Bislang hatte die Konferenz jedoch Schwierigkeiten, das Interesse der europäischen Bürgerinnen und Bürger zu wecken und wurde von den Mainstream-Medien kaum beachtet.

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Rückblick auf den M100 Young European Journalists Workshop 2021

„Reporting in Crises and the Crisis in Reporting“ lautete der Titel des diesjährigen M100 Young European Journalists Workshop (M100YEJ), der zwischen dem 10. September und dem 2. Oktober online in drei Modulen stattfand.

Ziel des Workshops war es, Handwerk und Herausforderungen journalistischer Arbeit in Zeiten der Krise zu beleuchten. Im Wechsel aus praktischen Inputs und theoretischer Reflektion diskutierten die TeilnehmerInnen die Ursachen aktueller Krisenphänomene sowie mögliche Ansätze und Strategien für einen resilienten, wirtschaftlich wie inhaltlich erfolgreichen Journalismus im Dienste der Demokratie.

Wir danken den Workshopleitern Edith Michaeler und Leonard Novy sowie unseren Keynote-Speakern Wolfgang Blau, Mathias Müller von Blumencron, Roland Schatz, Alex Sängerlaub, Sham Jaff und Brigitte Alfter. Und Campus Caprea/Robert Zimmermann für den wunderbaren Film!

Das in Kooperation zwischen dem M100 Sanssouci Colloquium und dem IfM durchgeführte Seminar wurde von der Friedrich-Naumann-Stiftung und dem National Endowment for Democracy gefördert.

Eine detaillierte Zusammenfassung finden Sie hier.

Das war das M100 Sanssouci Colloquium 2021

Potsdam, 16. Oktober 2021. Mit interessanten Reden von Benjamin H. Bratton und Andreas Reckwitz, lebhaften Diskussionen mit vielfältigen Ansichten und Perspektiven innerhalb der digitalen Strategic Roundtable Discussions und einem spannenden Special Talk mit Can Dündar, Claudia Major und Saad Mohseni über die totalitäre Versuchung haben wir beim M100 Sanssouci Colloquium am 6. Oktober einen großen Diskursbogen geschlagen und verschiedene Aspekte und Lösungsansätze des Themas beleuchtet. Mit der Verleihung des M100 Media Awards an Alexei Nawalny, entgegengenommen von seinem engen Vertrauten Leonid Volkov und laudatiert von Christian Lindner, ging der Tag politisch aktuell und emotional zu Ende.

Folgend finden Sie eine Übersicht über die einzelnen Teile des Colloquiums, inklusive des M100 Young European Journalists Workshop, mit Links zu den ausführlichen Zusammenfassungen und kompletten Reden.
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„Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit, wir müssen für sie kämpfen“

Zusammenfassung des Special Talk „The Totalitarian Temptation“

Am 6. Oktober 2021 diskutierten Saad Mohseni (afghanisch-australischer Medienunternehmer und Mitbegründer und Vorsitzender der MOBY Group), Dr. Claudia Major (Leiterin der Abteilung Internationale Sicherheit bei der Stiftung Wissenschaft und Politik SWP), und Dr. Can Dündar (türkischer Top-Journalist und Chefredakteur von Özgurüz) im Rahmen des M100 Sanssouci Colloquiums über Zustand und Zukunft der Demokratie. Moderiert von dem internationalen TV-Moderator Ali Aslan, analysierte das Panel insbesondere den Aufstieg totalitärer Regime und die Fehler, die westliche Regierungen im Umgang mit Afghanistan, der Türkei, dem Nahen Osten und auch Afrika und China in ihren Versuchen des Demokratie-Exports gemacht haben.

Saad Mohseni hat 2002 mit der Moby Group das erste private, unabhängige Medienunternehmen im Post-Taliban-Afghanistan aufgebaut, in dem auch Frauen als Journalistinnen und Moderatorinnen arbeiten. Damit hat er fast 20 Jahre lang die Entwicklung des Landes zu einer Demokratie mitgestaltet und nun die Erosion des Fortschritts durch die Taliban aus nächster Nähe erlebt. Ende Juli war er das letzte Mal in Afghanistan.

Mohseni, dessen Sender mit seinen 400 MitarbeiterInnen noch immer in Afghanistan aktiv ist, betonte, dass die letzten Jahre angesichts der jetzigen Situation nicht umsonst gewesen seien. Im Unterschied zu Mitte der 1990er Jahre, als die Taliban schon einmal Afghanistan regierten, würden jetzt Frauen auf den Straßen für ihre Rechte demonstrieren, zivilgesellschaftliche Akteure würden Kampagnen für die Bildung von Mädchen anstoßen und die Taliban müssten im Fernsehen mit Frauen und der Zivilgesellschaft diskutieren. Das sei vor 20, 30 Jahren undenkbar gewesen und habe natürlich etwas mit dem Bildungssystem zu tun, das auch Mädchen Zugang zu Schulen und Universitäten ermöglicht hat.
Doch eine Erosion der Demokratie sieht man nicht nur in Afghanistan, sondern auch in gebildeten westlichen Gesellschaften weltweit, und auch in Europa, wo sich nicht zuletzt in Polen und Ungarn illiberale Demokratien durchgesetzt haben.

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Zusammenfassung der Strategischen Roundtable

Das M100 Sanssouci Colloquium begann mit drei parallelen Strategic Roundtable-Diskussionen auf der digitalen Plattform Zoom, eingeleitet durch eine Eröffnungsrede von Benjamin H. Bratton, Professor für Bildende Künste an der University of California, USA, zum Thema „The Revenge on the Real: Politics for a Post-Pandemic World“ (die Rede können Sie hier nachlesen und anschauen)

Leonard Novy

Nach einer lebhaften und konzentrierten einstündigen Diskussion stellten die drei ModeratorInnen die Ergebnisse der Roundtable vor, moderiert von Dr. Leonard Novy, M100-Beiratsmitglied und Direktor des Instituts für Medien- und Kommunikationspolitik in Köln (Die Aufzeichnung steht Ihnen hier auf unserem YouTube-Kanal zur Verfügung). [1]

Die erste Moderatorin war Annalisa Piras, Journalistin, Filmemacherin und Geschäftsführerin der Wake Up Foundation. Sie fasste den Strategischen Roundtable „New beginnings: Leadership in (post-)Covid times“ zusammen, der durch einen Impuls von Alberto Alemanno, Jean-Monnet-Professor für Recht und Politik der Europäischen Union, HEC Paris, Frankreich, eingeleitet worden war:

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„Demokratische Resilienz spielt nicht erst seit der Corona-Pandemie eine Rolle“

„Demokratische Resilienz spielt nicht erst seit der Corona-Pandemie eine Rolle. In einer sich immer mehr individualisierenden Gesellschaft ist die Frage der Stärkung des Wertes der Gemeinschaft heute wieder mehr denn je von Bedeutung, wenn wir nicht zuschauen wollen, wie unsere Gesellschaft sich in eine Horde von Individualisten atomisiert.

Die Fähigkeit eines Gemeinwesens in gesellschaftlichen und politischen Krisen- und Transformationssituationen immer wieder zu einer von der Mehrheit der Gesellschaft getragenen und im demokratischen Meinungsstreit legitimierte Akzeptanz von Demokratie als Gesellschafts-, Staats- und Lebensform zu gelangen und diesen Grundwert einer pluralistischen Gesellschaft zu verteidigen, das ist für mich demokratische Resilienz.“

Mike Schubert, Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Potsdam

Die gesamte Rede können Sie hier nachlesen.