Einführung in das deutsche Mediensystem bei ALEX Berlin beim M100YEJ 2018

Rückblick

M100 YOUNG EUROPEAN JOURNALISTS WORKSHOP 2018

“Journalismus & Politische Bildung im Social Web”

10. – 18. September 2018, Potsdam und Berlin

 

Der M100 Young European Journalists Workshop 2018 (M100YEJ) fand in diesem Jahr zum 14. Mal statt. Mehr als 70 hochqualifizierte Nachwuchsjournalisten aus Europa, den Ländern der Östlichen Partnerschaft (Armenien, Aserbaidschan, Belarus, Georgien, Moldawien und der Ukraine) und Russland haben sich beworben. Vom 10. bis 18. September 2018 wurden die 25 ausgewählten jungen Journalisten zu einem vielfältigen Programm zum Thema „Journalismus und politische Bildung im Social Web“ eingeladen.

Politische Meinungen werden immer häufiger im Sozialen Netz gebildet. Getrieben von der Entwicklung der digitalen Medien verlagert sich die politische Debatte weltweit zunehmend auf autonome Teilöffentlichkeiten auf Facebook, Twitter, YouTube & Co. Damit politische Bildungsangebote vor allem die Jugend erreicht, ist es wichtig, das Social Web zu nutzen.

Unsere Journalisten aus postsowjetischen Ländern motiviert vor allem die große Chance von sozialen Medien in ihren Heimatländern. Die wenigen unabhängigen Journalisten oder journalistischen Medien in den Ländern der Östlichen Partnerschaft und Russland stehen unter starkem politischen und ökonomischen Druck. Nur soziale Medien bieten ihnen Raum für unabhängigen Journalismus und eine freie Meinungsbildung fern von einseitiger regierungsnaher Medienberichterstattung. Gleichzeitig ermöglichen sie die freie Bildung und Organisation von politischen Gruppierungen.

Die Mehrheit der europäischen Teilnehmer sorgt sich mehr um die Gefahren sozialer Medien. Sie fürchten die Verbreitung von Fake News und Propaganda und eine einseitige Informationsaufnahme durch Algorithmen, wodurch rechtspopulistische und antidemokratische Bewegungen weiterhin an Befürwortung erhalten könnten.

Ziel des Workshops war es daher, die Pressefreiheit in den Heimatländern der jungen Journalisten zu stärken: Workshops zur mobilen Berichterstattung oder zur Überprüfung von Social Media Inhalten sollten Journalismus und Berichterstattung mit einfachen und kostengünstigen Mitteln erleichtern. Darüber hinaus sollte der Workshop den Teilnehmern beibringen, wie man mit Fake News und Hassreden umgeht und sie für die Gefahren von Social Media sensibilisieren.

Der Workshop endete mit der Teilnahme am M100 Sanssouci Colloquium „Home Alone? Europe and the post-American Age“ am 18. September 2018. Zur internationalen Medienkonferenz wurden über 60 internationale Chefredakteure, Historiker und Vertreter politischer Organisationen nach Potsdam eingeladen, um über die neuen transatlantischen Beziehungen, die europäische Agenda für die postamerikanische Ära und die Rolle der Medien zu diskutieren.

Das M100YEJ wurde vom Auswärtigen Amt und National Endowment for Democracy (NED) finanziert. Kooperationspartner waren ALEX Berlin, European Youth Press, Chai Khana, Press Club Belarus, Medieninnovationszentrum Babelsberg (MIZ), Orange Magazine und Telefonica.

 

M100 Young European Journalists Workshop 2018 beim M100 Sanssouci Colloquium 2018

 

 

Montag, 10. September 2018

Am Tag der Ankunft der YEJ Teilnehmer in Berlin wurden die jungen Journalisten vom M100-Team bei einem Begrüßungsabend in Berlin empfangen. Zuvor waren die Teilnehmer schon in einer geschlossenen Facebook-Gruppe vernetzt, um miteinander in Kontakt zu treten, Erfahrungen und Ideen auszutauschen und Fragen zu stellen. Bei der Begrüßung trafen sie sich zum ersten Mal persönlich. Zu Beginn wurden den Journalisten der Zeitplan und Inhalt des Workshops sowie die Kooperationspartner Orange Magazine, European Youth Press und ALEX Berlin vorgestellt.

Begrüßungsabend des M100YEJ 2018Bei interaktiven Spielen im Anschluss hatten die jungen Journalisten die Möglichkeit, sich besser kennenzulernen, schon über ihre Gruppenprojekte nachzudenken und ähnliche Interessen zu finden. Sie stellten kurz ihre Heimatländer vor, bildeten Gruppen und diskutierten mögliche Projektthemen.

 

 

Panel mit Eva Schulz, Louis Klamroth und Firas Alshater im Rahmen des Begrüßungsabends des M100YEJs 2018

Es folgte ein Panel mit Eva Schulz, Louis Klamroth und Firas Alshater zum Thema des M100YEJ und ein Q & A. Alle Diskussionsteilnehmer haben unterschiedliche Erfahrungen mit der Nutzung des Social Webs. Eva Schulz ist Journalistin und Moderatorin der Facebook-Seite „Deutschland 3000“, die Webvideos zu politischen Themen aus der Perspektive von Millennials veröffentlicht. Deshalb hatte Eva für die jungen Journalisten viele Tipps und Ratschläge aus der Praxis, wie man den Jugendlichen mit dem Format Bewegtbild politische Bildungsinhalte vermitteln kann. Firas Alshater ist YouTuber seines Kanals „Zukar“ und der Serie „Firas unter Menschen“ der Deutschen Welle. Als traditioneller YouTuber konnte er den Journalisten viele Tipps zu einem erfolgreichen Storytelling und zum Umgang mit Hassreden im Sozialen Netz geben. Louis Klamroth stellte einen weiteren Ansatz vor, wie man Menschen im Sozialen Netz erreichen kann. Er war Mitbegründer der Diskussionsplattform „Diskutier mit mir“, die Menschen mit unterschiedlichen politischen Einstellungen zusammenbringt und sie in Chats zu verschiedenen Themen diskutieren lässt.

Im Anschluss an das Panel und die Q & A-Diskussion wurde das Abendessen eröffnet und alle Teilnehmer konnten sich auch in Einzelgesprächen mit den drei Experten in Verbindung setzen und ihnen Fragen stellen.

 

 

Dienstag, 11. September 2018

Am ersten Workshoptag stellte Julia Brötz, Redakteurin von „Deutschland 3000“ mit Eva Schulz und Projektleiterin des Praktikantenprogramms von ALEX Berlin, das deutsche Mediensystem vor und präsentierte ALEX Berlin als „Open Access“ und „Crossmedial Community Channel“.

ALEX Berlin ist Teil des öffentlich-rechtlichen Rundfunksystems, das von den Alliierten nach Deutschland gebracht wurde und dem BBC nachempfunden ist. Da es sich um ein System handelt, das von Menschen finanziert wird, ist es nicht gewinnorientiert und unabhängig von Finanzierungen durch den Staat oder eine andere Organisation. Um Zugang zu den öffentlich-rechtlichen Sendern zu haben, muss jeder Haushalt unabhängig vom Umfang seines Verbrauchs monatlich einen Beitrag zahlen.

Mitte der 80er Jahre wurde das öffentlich-rechtliche Rundfunksystem durch die Verwestlichung Deutschlands und die Modernisierung der Medienproduktion für den privaten Markt geöffnet. So entstanden so genannte „Open-Access-Kanäle“ wie ALEX Berlin, die die Senderlandschaft des öffentlichen und privaten Rundfunks um die dritte Säule der Medienvielfalt ergänzen. Diese Kanäle bieten allen Bürgern im lokalen Sendegebiet die notwendige Infrastruktur, Produktionstechnik, Räumlichkeiten und Bildungsangebote, in der Regel kostenlos oder gegen eine geringe Gebühr. Im Falle von ALEX sind die Inhalte überwiegend auf Deutsch und richten sich an das Publikum in Berlin und Brandenburg.

Gleichzeitig bezeichnet sich ALEX Berlin als „Crossmedialer Community Channel“, da der Sender Fernseh-, Radio- und Onlinebeiträge veröffentlicht und Menschen vor allem aus Brandenburg und Berlin einlädt, zu lernen, wie man eigene hochwertige Fernseh- oder Radioinhalte produziert.

Nach einer Tour durch das ALEX – Gebäude gaben Vanda Hehr und Marie Fastabend, die beide für Social Media verantwortlich sind, konkrete Empfehlungen für die Projekte, an denen die YEJ-Teilnehmer während des M100YEJ gearbeitet haben. Die Leitlinien informierten die jungen Journalisten über die Voraussetzungen für die Veröffentlichung der Projekte der M100 Teilnehmer und bereiteten sie auf das Pitch bei ALEX vor. So unterscheiden sich beispielsweise die Länge von Webvideos und Hashtags für verschiedene Social-Media-Kanäle. Darüber hinaus wurde die Wahl des Social Media Kanals diskutiert, da verschiedene Inhalte auf verschiedenen Kanälen eine bessere Wirkung erzielen: Politische Inhalte sind auf Twitter und Facebook erfolgreicher, Instagram ist persönlicher und YouTube ist die Plattform für die längsten Beiträge.

Am Nachmittag erhielten die Teilnehmer eine Einführung in das Thema des M100YEJ durch die Professorin für Digitale Medien in der Sozialarbeit, Judith Ackermann. Der Workshop begann mit einem Spiel „etwas Echtes, etwas Gefälschtes“, um sich gegenseitig kennenzulernen, aber auch, um alle Teilnehmer für die Gründe zu sensibilisieren, warum Menschen bestimmte Informationen eher als gefälscht oder wahr wahrnehmen.

Es folgte eine Diskussion über die Rolle sozialer Medien für die Jugend und wie politische Bildung erfolgreich im Social Web transportiert werden kann. Judith Ackermann veranschaulichte die Relevanz von Social Media mit unterschiedlichen Statistiken. Die „Jugendinformationsstudie in Deutschland“ ergab, dass fast 100 % aller Jugendlichen in Deutschland eigene Smartphones, 97 % Internet, 97 % Smartphone generell und 86 % Online-Video nutzen. Die wichtigsten Internetaktivitäten sind YouTube, WhatsApp, Instagram und Snapchat. Die Nutzung von Facebook und Google ist vergleichsweise gering. Die Studie hat nicht nur gezeigt, dass YouTube am häufigsten konsumiert wird, sondern auch auf welche Weise. Natürlich überwiegt das traditionelle YouTube-Konsumverhalten, denn die Plattform wird hauptsächlich zum Abspielen von Musikvideos genutzt. Es hat sich aber auch gezeigt, dass junge Deutsche auch sehr an Videos von YouTubern, Erklärvideos zu Schulthemen oder Tutorials interessiert sind. Judith erläuterte die Gründe für diese Entwicklungen. Menschen konsumieren Videoblogs meist zur Identitätsentwicklung, für parasoziale Interaktion, zur Unterhaltung oder aus Langeweile. YouTuber und Instagramer können ihren Erfolg auf Humor (30,5%), Inhalt / Thema (24,2%), Charakter (20%), Authentizität (12,6%), Stil (6,3%) oder Fähigkeiten (3,2%) zurückführen.

Der nächste Tagesordnungspunkt beschäftigte sich mit den Potenzialen und Herausforderungen des Social Web für die politische Bildungsarbeit. Dank der unterschiedlichen kulturellen Hintergründe der YEJ-Teilnehmer war die Debatte sehr vielseitig und unterschiedlich Erfahrungen in verschiedenen Ländern wurden ausgetauscht.

Judiths Fazit für erfolgreiche Webvideos: „Es geht darum, authentisch zu sein, um Interaktion und Matching.“ Sie zeigte Beispiele, wie man die Aufmerksamkeit von Jugendlichen erhalten kann, indem man den Betrachter einbezieht und zum Handeln auffordert.

Schließlich unterstützte Judith die jungen Journalisten bei der Themenfindung und der Gruppenbildung. Daraufhin einigten sich fünf Gruppen auf unterschiedliche Themen: Migration, Ökologie, Fake News, EU-Wahlen und Identität. Endlich konnten die YEJ-Teilnehmer dann mit der Ideenentwicklung für den Pitch beginnen.

 

 

Mittwoch, 12. September 2018

Workshop beim M100YEJ 2018 mit Christoph Heymann und Jannis Keil: Mobile Reporting beim M100YEJ 2018

Da die Teilnehmer bereits am Vortag Gruppen gebildet, Projektthemen gefunden und eine Einführung in das Thema des M100YEJ erhalten haben, wurde der Workshop sehr praxisnah: Die Filmemacher Christoph Heymann & Jannis Keil lehrten unseren jungen Journalisten Mobile Reporting, damit sie mit einfachen und kostengünstigen Mitteln eigene Webvideos produzieren konnten. Sie präsentierten verschiedene Apps wie KineMaster, Legend, Adobe Clip, ActionMovie und FxGuru, die alle kostenlos zugänglich sind. Da der Workshop sehr praxisnah war, erhielten die jungen Journalisten viele Aufgaben und begannen mit den Apps in Berlin verschiedene Videos zu drehen. Die Ergebnisse wurden am Ende des Tages mit den beiden Workshop-Trainern gezeigt und analysiert.

 

Workshop mit Christoph Heymann und Janine Keil: Mobile Reporting

 

 

Donnerstag, 13. September 2018

Am zweiten Tag des Workshops zum Thema Mobile Reporting konzentrierten sich Christoph und Jannis mehr darauf, den Teilnehmern beizubringen, in Videos mit unterschiedlichen Perspektiven zu arbeiten.

 

Workshop "Mobile Reporting": Die YEJs üben beim Dreh eigener Webvideos mit verschiedenen Perspektiven

 

Am Nachmittag erläuterte der Leiter der Kundenprojekte unseres Kooperationspartners Sourcefabric, Gideon Lehmann, den Live Blog, für den die Teilnehmer beim M100 Sanssouci Colloquium verantwortlich waren. Der Liveblog wurde auf den Bildschirmen der Konferenz gezeigt, um die Diskussion besser sichtbar zu machen und die anschließende Berichterstattung zu erleichtern.

Nach der Einführung hatten die jungen Journalisten Zeit, an ihren Webvideos für den Pitch am Freitag bei ALEX zu arbeiten. Der Drehort war ihnen frei gestellt und sie waren nicht an den Workshoport MIZ Babelsberg gebunden, wo der Workshop am Morgen stattfand.

 

 

Freitag, 14. September 2018

Storytelling war das Stichwort für die 25 jungen Journalisten am fünften Tag des Workshops, der in der Telefonica in Berlin stattfand. Wie muss eine Geschichte strukturiert sein, um Aufmerksamkeit zu erregen und dann gezielt Informationen zu vermitteln? Das war die Schlüsselfrage, die Robert Ackermann, ein Video-Reporter für Funk, mit den Teilnehmern diskutierte.

Workshop beim M100YEJ 2018 mit Robert Ackermann: Storytelling in the Social Web

Im Zusammenhang mit Do’s und Don’ts von Journalismus und politischer Bildung im Social Web wurden mehrere Beispiele diskutiert. Darüber hinaus zeigten verschiedene Gruppen Webvideo-Beispiele aus ihren Heimatländern. Die Meinungen über die gezeigten Beispiele unterschieden sich auch aufgrund der unterschiedlichen kulturellen Hintergründe.

Eine ältere Frau gleitet in ihrem Boot über das Wasser, steht vorne, hält das Paddel und singt. Sie macht wahrscheinlich das, was sie immer tut. Das 360-Grad-Video zeigt ihren Alltag in der ukrainischen Wüste. Oleksandr Yaroshchuk, ein junger ukrainischer Journalist, hatte das Video aus dem Online-Medium Ukrainer.net als Beispiel für die Diskussion gewählt. Kann auf diese Weise auf die schlechte Infrastruktur in den ländlichen Regionen der Ukraine aufmerksam gemacht werden? Es wäre beeindruckender, wenn die Frau selbst von ihrem Leben erzählen würde, sagte Kirill Filimonov.

 

 

Samstag, 15. September 2018

Da den YEJ-Teilnehmern das technische Knowhow und Storytelling bereits vermittelt wurde, was der Sch der Workshop von Marius Hasenheit mehr auf Social Campaigning, um den jungen Journalisten beizubringen, wie sie ihre Zielgruppen erreichen können und warum Social Campaigning für den Journalismus relevant ist.

Workshop beim M100YEJ 2018 mit Marius Hasenheit: Social Campaigning

Der erste Tip von Marius für die jungen Journalisten war, sich nicht nur auf eine einzige Social Media Plattform zu verlassen. Da sich Trends ändern, wechseln die Menschen auch schnell Netzwerkplattformen. Es ist wichtig, die Unterschiede der Plattformen zu kennen: „Facebook ist für die Menschen, die du früher kennst, LinkedIn für Menschen, die du ohne deinen Job nicht kennen würdest, Instagram für Menschen, die du kennst, und Twitter für die Menschen, die du gerne kennen würdest“.

Außerdem wurde gemeinsam über die Entwicklungen im Journalismus durch Social Media diskutiert: Meinungsartikel und Kommentare sind erfolgreicher im Netz, weil sie leichter „teilbar“ sind und Nutzer gerne ihre Meinung im Netz ausdrücken. Gleichzeitig kann dies auch zu einer zunehmenden Polarisierung der Gesellschaften führen. Kollaborativer Journalismus ist heute gestärkt, da Journalisten besser miteinander verbunden sind. Außerdem sind journalistische Inhalte billiger geworden, da Informationen an Wert verlieren und der Journalismus mit vielen anderen Arten von Inhalten konkurriert. Der Erfolg des Personenkults führt dazu, dass Journalisten sich heutzutage gerne als „Marke“ präsentieren, um die Reichweite ihrer Beiträge zu erhöhen.

Marius zeigte auch wie sich Einstellungen gegenüber sozialen Medien änderten: Im Jahr 2010 sind die Menschen tendenziell noch sehr optimistisch, da durch soziale Medien Demokratisierung gefördert wird, mehr Informationen für den Journalismus zugänglich und mehr Möglichkeiten zur Verifikation von Informationen vorhanden sind. Im Jahr 2016 werden die Menschen jedoch durch Entwicklungen wie Fake News oder Hate Speech desillusioniert.

Für das Social Campaigning schlug Marius einen Multi-Channel-Ansatz vor. Natürlich ist es wichtig, verschiedene Plattformen zu nutzen. Man muss aber auch kreativ sein, wie man Menschen erreicht: Veranstaltungen, Ausstellungen oder Newsletter können helfen. Darüber hinaus ist es wichtig, Inhalte effektiv auf verschiedenen Plattformen zu verteilen.

 

 

Nach Marius‘ Workshop hatten die jungen Journalisten wieder Zeit, an ihren Webvideos für den Pitch am Freitag bei ALEX zu arbeiten.

 


Sonntag, 16. September 2018

Redaktionelle Betreuung der Projekte durch Julia Brötz beim M100YEJ 2018

Am Tag vor dem Pitch bei ALEX Berlin betreute Julia Brötz am Morgen alle fünf verschiedenen Gruppenprojekte redaktionell. Sie interessierte sich besonders für die Botschaft der Projekte. Weitere Fragen folgten: Für wen ist das Video bestimmt? Wer will das Video sehen, teilen oder kommentieren? Ist das Video interaktiv? Auf welcher Plattform können Menschen am besten erreicht werden? Welche Regeln gelten für diese Plattform und wie können Sie diese zu Ihrem Vorteil nutzen? Wie kann die Botschaft am besten vermittelt werden? Wie wird die Geschichte nach der Veröffentlichung des Videos weitererzählt? Die Fragen halfen den jungen Journalisten zu erkennen, worauf es bei der Produktion von Webvideos ankommt. Julias Feedback war für die YEJ-Teilnehmer sehr hilfreich, um die Projekte für den Pitch zu finalisieren.

Anschließend begann der letzte Workshop zur Verifikation von Social Media Inhalten mit Fiete Stegers. Das Hauptziel war es, den jungen Journalisten beizubringen, wie man Quellen überprüft und falsche Informationen aufdeckt.

 

Fiete Stegers begann mit einigen Fallbeispielen für Falschinformationen: Nach dem Anschlag in Münster im April 2018 zum Beispiel wurden Fotos oder Namen von Verdächtigen in den Medien verbreitet, aber tatsächlich gefälscht. Er informierte auch über verschiedene Arten von Fehlinformationen und Desinformationen, wie gefälschte, manipulierte, irreführende oder betrügerische Inhalte, Satire, falsche Zusammenhänge oder Verbindungen.

Er forderte, dass auch in den sozialen Medien journalistische Standards angewendet werden müssen. Der Durchschnittsnutzer bezieht sich aber oft nicht auf zuverlässige Quellen und Falschinformationen erscheinen vielen Menschen aufgrund von Phänomenen wie Social Bots vertrauenswürdig. Aus diesem Grund lernten die jungen Journalisten, wie man solche gefälschte Konten auf Twitter oder Facebook identifiziert: Benutzernamen, Kontaktdaten, Follower, Status der Aktivität, Möglichkeiten der Verbindung oder Kommentare zu Beiträgen wurden gemeinsam untersucht und verglichen. Um Fotos zu überprüfen, lernten die YEJ-Teilnehmer, wie man „Reverse Image Search“, „Jeffrey’s Image Metadate Viewer“ und viele andere Websites verwendet, um Informationen über den Aufnahmeort, die Aufnahmezeit und andere Informationen zu erhalten. Ein weiterer Tagesordnungspunkt war die Geolokalisierung, um den Standort einer Abbildung überprüfen zu können: Bestimmte Indikatoren auf Fotos können Auskunft über mögliche Standorte geben, die dann auf Google Maps gesucht werden können. Alternativen für Karten, Satellitenbilder und Panoramabilder: Yandex, Bing, Open Street Map, Wikimapia, Mapillary.

Bei einem Quiz konnte das Gelernte direkt angewendet werden. Die Gruppe, die es schaffte, Zeit und Ort verschiedener Bilder am schnellsten herauszufinden oder Fehlinformationen oder Social Bots zu identifizieren, gewann einen Punkt. Fiete Stegers stellte zum Schluss noch kurz weitere Möglichkeiten vor, gefälschte Nachrichten und Fehlinformationen zu identifizieren, die noch nicht diskutiert wurden. Eine Website hilft zum Beispiel, die Anzahl der Menschen zu ermitteln, die in der Lage sind, einen Platz in der Welt einzunehmen, damit Journalisten Zahlenangaben bei Demonstrationen nachweisen können. Eine weitere Website hilft, bereits gelöschte Twitter-Posts wieder zu finden.

 

 

Montag, 17. September 2018

Pitch bei ALEX Berlin vor einer Jury mit dem ALEX Team und dem Influencer Florian Prokop beim M100YEJ 2018

Die Ergebnisse des M100YEJ wurden bei einem Pitch bei ALEX Berlin einer Jury mit dem ALEX-Team und dem Influencer Florian Prokop präsentiert. Nach einer kurzen Vorbereitungszeit begann jede Gruppe, ihr Projekt vorzustellen, indem sie Thema, Ziel, Zielgruppe und Strategie des Social Campaigning erläuterte. Danach wurde jedes Webvideo gezeigt und Fragen gestellt. Nach einer Mittagspause gab die Jury konkretes Feedback zu jedem Projekt und zeigte gleichzeitig Best Practice Beispiele. Alle Projekte hätten bei ALEX veröffentlicht werden können, denn Themen und Ideen waren stark und interessant für das Berliner Publikum. Aufgrund der begrenzten Zeit wurden jedoch nur zwei Projekte fertig gestellt. Die anderen Gruppen konnten nur Pilot-Webvideos und ihre Konzepte präsentieren. Alle waren jedoch motiviert auch nach dem Workshop in Kontakt zu bleiben, um weiterhin an ihren Videos zu arbeiten und sie nachträglich bei ALEX zu veröffentlichen. Zum „EU-Wahlen“ Projekt schlug Julia Brötz auch eine Zusammenarbeit mit Eva Schulz und Deutschland 3000 vor, da die jungen Journalisten dazu beitragen könnten, Interviews mit Menschen aus den jeweiligen Heimatländern zu führen, die Deutschland 3000 nie erreichen könnte. Das Projekt „Wasser-Nachhaltigkeit“ und das Projekt „Identität“ wurden von ALEX schon veröffentlicht und sind auf dem ALEX & M100 Instagram, Twitter, Facebook und YouTube Channel zu finden.

Pitch der eigenen Webvideo-Projekte bei ALEX Berlin beim M100YEJ 2018

Anschließend waren die YEJ-Teilnehmer bei dem Start-up StoryMachine, das vom ehemaligen Chefredakteur und Herausgeber von BILD, Kai Diekmann, mitgegründet wurde, eingeladen. Kai und sein Kollege Max Zender zeigten die Räumlichkeiten des Start-ups, erklärten ihr Konzept und ermöglichten besondere Einblicke. StoryMachine ist eine Agentur, die Unternehmen redaktionelle Dienstleistungen zu ihrem Social Media Auftritt anbietet. Es folgte eine Debatte über traditionelle und neue Medien und zu StoryMachine als journalistische oder PR-Agentur. Die Kultur des Journalismus verändert sich, da Diskussionen weltweit zunehmend in soziale Netzwerke verlagert werden“, betonte Kai. Deshalb betrachtet er sich weiterhin als Journalist. Der Besuch war eine großartige Gelegenheit für die jungen Journalisten, auch eine alternative Geschäftsidee im Umgang mit Social Media kennenzulernen.

 

 

Dienstag, 18. September 2018

 

„Home Alone? – Europe and the Post-American Age“ lautete der Titel der Konferenz, bei der rund 60 Chefredakteure, Historiker und Politiker aus Europa und den USA über den Zustand der transatlantischen Beziehungen, die europäische Agenda in der postamerikanischen Ära und die Rolle der Medien beim M100 Sanssouci Colloquium im Barberini Museum während des Tages diskutierten. Die jungen Journalisten waren für den Live-Blog verantwortlich, der auf der M100-Website und auf den Bildschirmen neben dem großen Tisch der Konferenz zu sehen war.

Die Teilnahme der jungen Journalisten an der internationalen Medienkonferenz M100 Sanssouci Colloquium war eine besondere Gelegenheit, ein Netzwerk mit hochrangigen Medien- und Meinungsmachern, Politikern und Wissenschaftsvertretern aus Europa und den USA aufzubauen.

 

 

Die Konferenz war in drei Sitzungen unterteilt, die jeweils verschiedene Aspekte des Hauptthemas beleuchteten. In der ersten Sitzung mit dem Titel „The Remains of The West – The New Relationship“ wurde diskutiert, inwieweit die Präsidentschaft von Donald Trump als Wendepunkt und Ende der „Pax Americana“ angesehen werden kann, und es wurde der wachsende Druck auf die EU diskutiert, ihre internen Widersprüche zu lösen und in der Außenpolitik aktiv zu werden. Die zweite Sitzung mit dem Titel „A European Agenda for the Post-American Age“ fragte, ob die globalen politischen Umwälzungen Europa erwachen lassen. Die europäischen Staaten sind sich einig, dass die EU reformiert werden muss, aber die Ansichten über die weitere Entwicklung sind sehr unterschiedlich. „European Media Challenge: How to cope with Politics, Technology and the Fight for Trust“ war das Thema der dritten Sitzung, die sich mit der Tatsache beschäftigte, dass es auf der einen Seite mehr Transparenz als je zuvor gibt. Andererseits führt ein Informationsüberschuss zu einem „Systemfehler“ in der öffentlichen Kommunikation, bei dem Fakten und Meinungen nicht mehr unterschieden werden können. Einige der YEJ-Teilnehmer trugen auch zur Debatte bei, indem sie die Perspektive der jüngeren Generation zeigten.

 

 

Feedback:

 

Niels Timmermanns, 24, Belgium

“The M100 not only gave me the opportunity to acquire some important extra skills in important fields such as fact checking, but it also provided me with an international network of young people with the same journalistic aspirations as I have. As a good network is one of the most important things a journalist can have, this contribution of the M100 is really priceless for me.”

 

Nurana Musazade, 28, Azerbaijan

„I was very passionate and excited while I learned I would be part of the M100YEJ workshop. It was a great opportunity for me to build a stronger network with other participants of the workshop who share the similar purposes and targets. I am very happy that now I am part of this amazing network. This workshop has given me a positive impact and useful knowledge which will be helpful in my future career. I want to thank M100 that gave me this opportunity to be part of this workshop which is very useful for my professional development“.

 

Matias Gadaleta, 24, Italy

“M100 for me was a revelation. A breath of fresh air in the midst of this unhealthy environment in which we are living. Live a few days with young journalists from different countries and perceive in their eyes and in their words the passion for this job and the determination to   express always their thoughts aloud was a great inspiration.”

 

Mihaela Gilca, 23, Moldova

„It has definitely been one of the best international experiences that I’ve been part of so far. The M100 Colloquium has given me a new perspective on the field and some good insight into the journalistic work. I feel motivated and empowered to apply the freshly acquired knowledge and grow as a person and a journalist.“

 

Irakli Iagorashvili, 19, Georgia

“The M100 Workshop helped me to find out what else I can do for my country when it comes to the Journalism. This program gave me an ability to enhance my knowledge and to see in which topic I need to improve my skills. Meeting with other participants was really good for understanding the situation in which journalists have to work in their countries. All those things mentioned motivate me to continue my work here in Georgia and to make more people interested in similar topics.”

 

Ekaterini Kolorizos, 22, Greece

“The M100YEJ was such a wonderful experience for me because it gave me the opportunity to meet great people, great friends with different backgrounds and ideas and I learned a lot from the journalistic work around the world and how journalism could be so different regarding the country”

  

Kirill, 26, Russia

“M100 gave me the inspiration to think outside the box of things I routinely do for my work. This experience was very much about connecting the dots, showing new opportunities and pushing me to explore new ways of looking at familiar things“

 

Irene Benedicto, 24, Spain

„The M100 workshop for Young European Journalists was such an eye-opening experience, not only for the trainings we had but for the people we met and how we came together working for a common goal. It was such a powerful Eastern-Western exchange and, furthermore, we witnessed an exemplar reconciliation experiences. Along the training course, we have seen people from Crimea, Georgia and Russia come together to work in counter-propaganda projects and journalists from the neighborhood countries working together with European Union-focused journalists on a “go out and vote” kind of project for the upcoming elections to the European Parliament. I personally learned that, as Western Europeans, we still live in our self-confident bubble and that breaking down cultural barriers requires time, effort and dedication (and love. Yes, it sounds cheesy) but too often we need to look into the eyes and listen to first-hand experiences to build empathy. This is how we came to realize how important it is for our job as journalists to give voices to the unheard, to make people look into other people’s eyes and build these empathy bridges.“

 

Links:

 

M100 YEJ Video

PNN Coverage of the M100YEJ Workshop

Photos, concept, agenda & participants

Live blog

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