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NEUSTART: Shaping the Post-Covid Media Order

Donnerstag, 17. September 2020, Orangerieschloss, An der Orangerie 3-5, Park Sanssouci, Potsdam

 

Wie im Brennglas hat uns die Corona-Krise die scheinbar unversöhnliche Gleichzeitigkeit zweier Entwicklungen aufgezeigt, welche die Digitalisierung von Anfang an prägten. Erstens hat uns der Ausnahmezustand gezeigt, dass nicht nur Ärztinnen und Ärzte, Pflegekräfte oder Supermarktangestellte systemrelevant sind, sondern auch der Journalismus. Soziale Medien ersetzen den professionellen, redaktionell organisierten Journalismus eben nicht. Und zweitens, trotz ihrer Rekord-Reichweiten, die existenzielle Krise jener Institutionen, die ihn produzieren. Medienunternehmen weltweit leiden unter den Folgen der größten Rezession seit hundert Jahren. Laut einer Studie des BDZV droht Lokalzeitungen in 40 % aller Städte und Gemeinden in den nächsten fünf Jahre das Aus. All dies vor dem Hintergrund einer Digitalisierung, die zwar Innovation und Vielfalt fördert, aber auch eine massive Konzentration wirtschaftlicher und publizistischer Macht in Richtung der US-Plattformen bewirkt.

75 Jahre Ende des zweiten Weltkriegs bedeuten vielerorts auch: 75 Jahre Medienfreiheit – und Journalismus im Dienste der Demokratie. Doch das, was wir als kulturelle und demokratische Normalität betrachten, die Qualität und Vielfalt journalistischer Information, an die wir uns gewöhnt haben, ist eben keine Selbstverständlichkeit. Weder in historischer noch internationaler Perspektive. Die ökonomische Basis des Journalismus erodiert, publizistische Strukturen brechen weg, während Autokraten und Populisten die Krise dafür nutzen, gegen die unabhängige Presse vorzugehen. Angriffe gegen „unpatriotische“ Berichterstattung, der Missbrauch von Notstandsregelungen oder Gesetzen zur Fehlinformation gefährden die Medienfreiheit.

Gleichzeitig stehen Medien auch gesellschaftlich unter Druck: Während Teile der Bevölkerung auch in Zeiten der Pandemie Verschwörungstheorien und Fake News den Vorzug geben, nimmt die Kontroverse um Vielfalt in Redaktionen und Berichterstattung auch im Zuge der Rassismusdebatte in den USA weiter an Fahrt auf.

Covid19 markiert eine historische Zäsur. Die Pandemie verändert unsere Gesellschaften, Volkswirtschaften und unsere Medienlandschaften. Das Nachdenken über die Zeit danach, über Nachhaltigkeit und gesellschaftliches Zusammenleben ist im vollen Gange. Grund genug zu fragen, welche Medienlandschaft unsere demokratischen Gesellschaften in Zukunft prägen sollen – und was wir heute dafür tun können.  Vor diesem Hintergrund besteht das Ziel des diesjährigen M100 Sanssouci Colloquiums in der Grundlagenschaffung einer neuen Medienordnung. Zudem soll eine erste Bilanz gezogen werden zu Rolle und Leistung des Journalismus während der globalen Coronakrise.

M100 ist eine Initiative von Potsdam Media International e.V., die in konzeptioneller Zusammenarbeit mit dem Institut für Medien- und Kommunikationspolitik stattfindet und von der Stadt Potsdam hauptfinanziert wird. Weitere Förderer sind das medienboard Berlin-Brandenburg, National Endowment for Democracy (NED), die Friedrich Naumann Stiftung, das Auswärtige Amt und das Bundespresseamt. Kooperationspartner sind die Stiftung Preussische Schlösser und Gärten, Reporter ohne Grenzen (RoG) und der Verband Deutscher Zeitungsverleger (VDZ).